Das Jahr 2018 bleibt für die meisten Feuerwehren nicht nur wegen des Rekordsommers und den überdurchschnittlich hohen Temperaturen in Erinnerung, sondern auch wegen den damit verbundenen Wald-, Flächen- und Wiesenbränden. Und auch im aktuellen Jahr rückten Dessau-Roßlaus Feuerwehren bereits zu selbigen Einsätzen aus. Das nahmen wir zum Anlass, um uns mit Brandrat Martin Müller, stellvertretender Amtsleiter der Berufsfeuerwehr Dessau-Roßlau und Abteilungsleiter Abwehrender Brandschutz über die bevorstehende Wald-, Flächen- und Wiesenbrand-Saison zu unterhalten.


Herr Müller, 2018 war für die Feuerwehren im Stadtgebiet, insbesondere für jene nördlich der Elbe, ein überdurchschnittliches Einsatzjahr in Punkto Flächen- und Waldbrände. Wie fällt ihr Resümee diesbezüglich aus?

"Das Jahr 2018 war nicht nur für die nördlich der Elbe gelegenen Feuerwehren unserer Stadt ein außergewöhnliches Jahr. Es waren alle Feuerwehren bei der Brandbekämpfung von Wald-, Flächen- und Wiesenbränden eingebunden. Das belegen auch die Einsatzzahlen aus dem Jahr 2018. So ist die Zahl der Brandeinsätze auf 277 gestiegen. Das sind 130 Brandeinsätze mehr als im Jahr 2017. Auch die Anzahl der Großbrände, mit 24 im Jahr 2018, ist schon beachtlich. Wir haben in Jahr 2018 auch mehrmals den Landkreis Wittenberg bei der Bekämpfung von derartigen Flächenbränden unterstützt und auch bei der Aufbereitung der Einsatztechnik aus dem Landkreis Wittenberg geholfen. So haben wir unter anderem über 100 Schläuche aus dem Nachbarlandkreis geprüft, gewaschen und getrocknet."


Verschiedene Wetterdienste vermelden bereits jetzt schon einen erneut sehr heißen und trockenen Sommer. In diversen Medien ist zu vernehmen, dass sich die Feuerwehren im Land auf die bevorstehende Flächen- und Waldbrandsaison 2019 vorbereiten. Wie ist dahingehend der aktuelle Stand in Dessau und werden besondere Vorbereitungen getroffen?

"Das Jahr 2018 hat gezeigt, dass die Feuerwehren der Stadt Dessau-Roßlau gut aufgestellt waren bei der Brandbekämpfung. Im Januar 2019 wurde der Freiwilligen Feuerwehr Roßlau ein neues Löschfahrzeug übergeben. Damit ist eine bessere und effektivere Brandbekämpfung möglich. Das alte Löschfahrzeug aus dem Jahr 1995 wird bei der Freiwilligen Feuerwehr Kühnau weiter genutzt um nicht auf die Löschwassermenge von 2.000 Liter Wasser zu verzichten."
 
 

Gibt es Überlegungen, die Alarm- und Ausrückeordnung bei Flächen- und Waldbränden punktuell / individuell zu ändern (also Feuerwehren aus anderen Stadtgebieten einzubinden) um die Belastungen der Freiwilligen Feuerwehren 2019 zu reduzieren / flächendeckend zu verteilen?

"Die Alarm- und Ausrückeordnung kann nicht so einfach verändert werden, da hier auch die Hilfsfristen nach Brandschutzgesetzt einzuhalten sind. Wir haben im vorigen Jahr schon intensiv an einer Verbesserung der Zusammenarbeit der Feuerwehren gearbeitet und auch die Alarm- und Ausrückeordnung ergänzt. Es wurden auch umfangreiche Auswertungen der Einsätze durchgeführt um die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte zu verbessern. Da sich diese Maßnahmen in der Praxis bewährt haben, besteht derzeit hier kein zwingender Handlungsbedarf."


2018 wurde bei vielen Einsätzen intern das Wort „Materialschlacht“ verwendet. Gab es inzwischen Neuanschaffungen oder sind eventuell noch welche in Planung?

"Das ein Wald-, Flächen- oder Wiesenbrand mit einem gewissen Materialaufwand verbunden ist, ist unbestritten. Es ist nicht jede Einsatzstelle mit einem Einsatzfahrzeug zu erreichen, so müssen unter Umständen auch mal lange Schlauchleitungen verlegt werden. Wir haben im Jahr 2018 100 neue C-Schläuche für die Brandbekämpfung beschafft. Schon in Jahr 2017 wurden über 100 neue B-Schläuche angeschafft. Für das Jahr 2020 oder 2021 ist ein neues TLF zur Waldbrandbekämpfung für die Stadt Dessau-Roßlau vorgesehen. Dieses Fahrzeug wird über die Zentrale Beschaffung des Landes Sachsen-Anhalt beschafft."


Aus einem Artikel der Mitteldeutschen Zeitung vom 23. März 2019 war zu entnehmen, dass Dessaus Stadtförster ein massives Kiefernsterben im Dessauer Stadtwald oder der Mosigkauer Heide vermeldete. Wie gefährlich schätzen Sie diese Tatsache in Hinblick auf mögliche Waldbrände in diesen Gebieten dadurch ein?

"Auf die Einsatztaktik bei der Waldbrandbekämpfung wird das keinen Einfluss haben. Bei der Bekämpfung von Waldbränden ist immer eine Lageerkundung durchzuführen. Hier sollte in diesen Gebieten dann speziell auf Bäume geachtet werden, die um stürzen können bzw. schon am Boden liegen und dadurch die Brandausbreitung beschleunigen können. Das Kiefernsterben ist sicher für die Natur sehr schlecht, hat aber keine grundlegenden Auswirkungen auf die Brandbekämpfung durch die Feuerwehr."


Vielen Dank Martin Müller, dass er sich die Zeit genommen hat.

Fotos: Feuerwehr Dessau-Süd, Berufsfeuerwehr Dessau-Roßlau